Radatlas Österreich

43

Piestingtal-Radweg

Niederösterreich

Distanz
53km
Aufstieg
201m
Abstieg
611m
MittelAsphaltRennradtauglich43

01 - Überblick

Der Piestingtal-Radweg (Route 43), auch Biedermeier-Radweg genannt, folgt der Piesting aus den Wiener Alpen hinunter ins Wiener Neustädter Becken - rund 53 Kilometer überwiegend bergab vom Bergdorf Rohr im Gebirge über das Biedermeier-Städtchen Gutenstein bis nach Sollenau. Eine fast durchgehend asphaltierte Talfahrt durch das Tal der Maler und Dichter, mit der Gutensteinerbahn als bequemem Begleiter und dem Abstecher zu den Myrafällen als landschaftlichem Höhepunkt.

Der Piestingtal-Radweg trägt seinen zweiten Namen, Biedermeier-Radweg, zu Recht: Das Tal der Piesting war im frühen 19. Jahrhundert ein Sehnsuchtsort der Wiener Künstler. Der Komödiendichter Ferdinand Raimund verbrachte hier seine Sommer und liegt in Gutenstein begraben, der Maler Friedrich Gauermann wurde im nahen Miesenbach geboren, und auch der Nazarener Leopold Kupelwieser stammt aus Markt Piesting. Diese kulturelle Spur zieht sich durch die ganze Tour - von den stillen oberen Talschlüssen bis hinaus in das weite Becken vor den Toren Wiener Neustadts. Die hier kartierte Linie misst gut 53 Kilometer und verläuft überwiegend bergab. Offizielle Angaben schwanken: Die beliebte flache Talstrecke von Sollenau nach Gutenstein wird mit rund 38 Kilometern beziffert, die volle Strecke samt der sportlichen Bergetappe hinauf nach Rohr im Gebirge mit knapp 59 Kilometern. Wer die ganze Route von oben nach unten fährt, beginnt am höchsten Punkt: in Rohr im Gebirge auf rund 670 Metern, tief in den Kalkalpen zwischen Schneeberg und Gutensteiner Alpen. Die erste Etappe ist zugleich die anspruchsvollste und schönste. Von Rohr im Gebirge steigt der Weg in den ersten Kilometern noch einmal an, über eine Höhe von etwa 780 Metern bei der Haselrast, ehe er sich in einer langen, teils steilen Abfahrt (kurze Rampen bis 15 %) hinab nach Gutenstein wirft. Gutenstein selbst ist das Herz des Biedermeiertals: über dem Ort thront die barocke Wallfahrtskirche Mariahilfberg, am Bergfriedhof liegt Ferdinand Raimund begraben, und im Sommer erinnern die Raimund-Festspiele an den Dichter. Hier endet auch die Gutensteinerbahn - ab Gutenstein wird das Tal flach und familientauglich. Von Gutenstein rollt die Route gemächlich talauswärts. Bei Pernitz zweigt der gut beschilderte Abstecher zu den Myrafällen ab, einer der schönsten Klammen Niederösterreichs: Über 26 Brücken und Stege führt der vom Österreichischen Touristenklub seit über hundert Jahren gepflegte Weg durch die tosende Schlucht des Myrabachs. Weiter unten, bei Waldegg und Markt Piesting, weitet sich das Tal; über Dreistetten grüßt die mächtige Burgruine Starhemberg, eine der bedeutendsten Wehranlagen des 13. Jahrhunderts in Niederösterreich, hoch über dem Radweg von einem Felsrücken herab. Die letzte Etappe führt durch Wöllersdorf hinaus nach Sollenau. Wöllersdorf ist ein Ort mit schwerer Geschichte: Hier stand im Ersten Weltkrieg die größte Munitionsfabrik der Monarchie, und auf demselben Gelände betrieb der austrofaschistische Ständestaat von 1933 bis 1938 ein Anhaltelager für politische Gefangene. Sichtbare Reste und Gedenkzeichen machen die Strecke hier auch zu einer Fahrt durch österreichische Zeitgeschichte. In Sollenau endet die Route am Bahnhof der Pottendorfer Linie und trifft auf den EuroVelo 9, der entlang des Wiener Neustädter Kanals weiterführt. Ein ehrlicher Hinweis zur Planung: Der Radweg ist von Sollenau bis Gutenstein durchgehend asphaltiert und damit auch rennradtauglich, kreuzt aber mehrmals die B21 und ist daher nicht völlig autofrei - für die flache untere Hälfte mit Kindern empfiehlt sich Verkehrserfahrung. Die obere Bergetappe nach Rohr im Gebirge ist sportlich und sollte nicht unterschätzt werden. Dank der Gutensteinerbahn, die das Tal bis Gutenstein begleitet, lässt sich die Tour bequem als Einrichtungsfahrt bergab planen.

Regionen
Niederösterreich
Start
Rohr im Gebirge
Ziel
Sollenau
Oberfläche
Asphalt
Netz
Regional
Beste Reisezeit
April - Oktober
Beschilderung
durchgehend beschildert
Rennradtauglich
Ja · Durchgehend Asphaltgut belegt
Belag (gemessen) · auf Basis von 99 % erfasster Oberfläche

100 % Asphalt, praktisch durchgehend befestigt.

  • Asphalt98 % · 53 km
  • Schotter0 % · 0,2 km
  • unbekannt1 % · 0,7 km

02 - Etappen

4 Etappen · 53 km

01Rohr im Gebirge - GutensteinRohr im Gebirge · Haselrast (ca. 780 m) · Gutenstein16 km

Die Auftaktetappe ist die sportlichste der ganzen Tour. Vom Bergdorf Rohr im Gebirge, tief in den Kalkalpen gelegen, steigt der Weg zunächst noch einmal an und überschreitet bei der Haselrast eine Höhe von rund 780 Metern - der höchste Punkt der Strecke. Danach folgt eine lange, abwechslungsreiche Abfahrt durch Wald und über offene Hänge hinab ins eigentliche Piestingtal, mit einzelnen steilen Rampen, die volle Aufmerksamkeit und gute Bremsen verlangen. Ziel der Etappe ist Gutenstein, das Herz des Biedermeiertals: über dem Ort erhebt sich die barocke Wallfahrtskirche Mariahilfberg, am Bergfriedhof liegt der Dichter Ferdinand Raimund begraben. In Gutenstein beginnt die Gutensteinerbahn - ab hier ist das Tal mit der Bahn erreichbar, und die Strecke wird deutlich flacher.

Aufstieg
124 m
Abstieg
314 m
Dauer
ca. 1 Std. 20 Min.
Oberfläche
Asphalt, kurze steile Rampen (bis 15 %)

Belag (gemessen): Asphalt

02Gutenstein - PernitzGutenstein · Miesenbach (Gauermann) · Pernitz7 km

Ab Gutenstein zeigt sich der Piestingtal-Radweg von seiner gemütlichen Seite: ein flaches, fast durchgehend asphaltiertes Talstück, das der Piesting folgt. Im Seitental bei Miesenbach erinnert das Gauermann-Museum an den Biedermeier-Landschaftsmaler Friedrich Gauermann, der hier 1807 geboren wurde. Die Etappe endet in Pernitz, dem verkehrstechnischen Knoten des mittleren Tals: Hier hält die Gutensteinerbahn (Station Pernitz-Muggendorf), und hier zweigt der gut beschilderte Abstecher zu den Myrafällen ab.

Aufstieg
7 m
Abstieg
58 m
Dauer
ca. 30 Min.
Oberfläche
durchgehend Asphalt

Belag (gemessen): Asphalt

03Pernitz - Markt PiestingPernitz · Abzweig Myrafälle · Quarb · Waldegg · Markt Piesting14 km

Die dritte Etappe ist landschaftlich die reichste. Gleich hinter Pernitz lohnt der Abstecher zu den Myrafällen bei Muggendorf - über Brücken und Stege führt der Weg durch eine der schönsten Klammen Niederösterreichs (zu Fuß ab dem Parkplatz). Zurück im Haupttal quert die Route bei der Quarb-Schlucht eine enge Stelle, an der sich Radweg, Bahn und Fluss den Talboden teilen; ein kurzer steiler Steg verlangt hier noch einmal Kraft. Über Waldegg mit seinem geschützten Kalksinterader rollt die Etappe weiter nach Markt Piesting. Hoch über dem Tal, auf einem Felsrücken über Dreistetten, grüßt die Burgruine Starhemberg, eine der bedeutendsten Wehranlagen des 13. Jahrhunderts in Niederösterreich. Markt Piesting, Geburtsort des Malers Leopold Kupelwieser, liegt an der Bahn und eignet sich gut als Etappenort.

Aufstieg
56 m
Abstieg
137 m
Dauer
ca. 1 Std.
Oberfläche
Asphalt, kurze steile Stege (Quarb-Schlucht)

Belag (gemessen): Asphalt

04Markt Piesting - SollenauMarkt Piesting · Wöllersdorf · Steinabrückl · Sollenau17 km

Die Schlussetappe führt aus dem Bergland hinaus ins weite Wiener Neustädter Becken. Bei Wöllersdorf streift die Route einen Ort mit schwerer Geschichte: Hier stand im Ersten Weltkrieg die größte Munitionsfabrik der Habsburgermonarchie, und von 1933 bis 1938 betrieb der austrofaschistische Ständestaat auf dem Gelände ein Anhaltelager für politische Gefangene. Sichtbare Reste und Gedenkzeichen machen den Abschnitt zu einer Fahrt durch österreichische Zeitgeschichte. Danach wird das Tal endgültig flach, die Piesting verzweigt sich in der Ebene, und über Steinabrückl erreicht die Route ihren Endpunkt in Sollenau. Am Bahnhof an der Pottendorfer Linie geht es mit der S-Bahn zurück Richtung Wien; zugleich trifft hier der EuroVelo 9 entlang des Wiener Neustädter Kanals auf die Strecke.

Aufstieg
14 m
Abstieg
102 m
Dauer
ca. 1 Std. 10 Min.
Oberfläche
durchgehend Asphalt

Belag (gemessen): Asphalt

03 - Höhenprofil

Höhenprofil über die Gesamtdistanz - Cursor bewegen, um Höhe und Kilometer abzulesen.

Höhenprofil über 53 km. Aufstieg 201 m, Abstieg 611 m. Tiefster Punkt 260 m, höchster Punkt 759 m.

Höhendaten aus OSM-Geometrie + Digitalem Geländemodell (DGM) Österreich (10 m).

Profil überfahren zeigt den Punkt auf der Karte - und umgekehrt.

Immer schön hydriert bleiben - Gruß an die r/HydroHomies

04 - POIs & Services

  • Rohr im Gebirge & Haselrast-HöheLandschaft · Rohr im Gebirge
  • Ferdinand-Raimund-Grab am BergfriedhofKultur · Gutenstein
  • Wallfahrtskirche Mariahilfberg (über Gutenstein)Kultur · Gutenstein
  • Myrafälle (Abstecher ab Pernitz)Landschaft · Muggendorf
  • Gauermann-Museum (Biedermeier-Maler)Kultur · Miesenbach
  • Burgruine Starhemberg (über dem Tal)Kultur · Markt Piesting / Dreistetten
  • Biedermeierort Markt Piesting (Kupelwieser)Kultur · Markt Piesting
  • Ehem. Munitionswerk & Anhaltelager WöllersdorfKultur · Wöllersdorf

Services entlang der Route

  • Versorgung und EinkehrDie Talorte Gutenstein, Pernitz, Waldegg, Markt Piesting und Wöllersdorf bieten Geschäfte, Gasthäuser und Cafés. Gutenstein als Biedermeier-Städtchen ist ein guter Ausgangs- oder Rastpunkt. Im obersten Abschnitt zwischen Rohr im Gebirge und Gutenstein ist die Versorgung dünn - hier empfiehlt sich eine Jause im Gepäck.
  • Untergrund und RadVon Sollenau bis Gutenstein ist der Radweg durchgehend asphaltiert und damit auch rennradtauglich. Vereinzelt gibt es kurze steile Stege (etwa an der Quarb-Schlucht) und Querungen. Die obere Bergetappe nach Rohr im Gebirge ist befestigt, aber sportlich, mit Rampen bis etwa 15 %; bergab sind gute Bremsen wichtig. Ein Trekking- oder Gravelbike ist universell, ein Rennrad auf der Talstrecke gut machbar.
  • Familie und VerkehrDie flache untere Hälfte von Gutenstein nach Sollenau gilt als familienfreundlich. Allerdings ist der Radweg nicht durchgehend autofrei und kreuzt mehrmals die B21 - mit Kindern ist Verkehrserfahrung sinnvoll. Die sportliche Bergetappe von Rohr im Gebirge nach Gutenstein ist für Familien weniger geeignet und sollte nicht unterschätzt werden.
  • Abstecher MyrafälleBei Pernitz zweigt ein gut beschilderter Radabstecher Richtung Muggendorf und zu den Myrafällen ab. Die Klamm selbst wird zu Fuß ab dem Parkplatz begangen (rund 600 m Steig mit 26 Brücken, betreut vom Österreichischen Touristenklub). Ein lohnender Halbtages-Abstecher, der die Tour landschaftlich krönt.

Versorgung entlang der Strecke

  • Trinkwasser21
  • Reparaturstation2
  • Bike Shop1
  • Radverleih1
  • Ladestation12

Versorgungspunkte aus OpenStreetMap. Stand kann abweichen, Brunnen sind teils saisonal - vor der Tour prüfen.

05 - Eindrücke

06 - ÖV-Anbindung

  • Gutensteinerbahn (ÖBB, Wiener Neustadt - Gutenstein)Die Gutensteinerbahn begleitet das Tal und hält unter anderem in Wöllersdorf, Markt Piesting (Station Piesting), Waldegg, Ortmann, Pernitz-Muggendorf und am Endpunkt Gutenstein. Fahrradmitnahme in den Nahverkehrszügen nach ÖBB-Bedingungen (Radticket). Damit lässt sich der flache Talteil bequem als Bergab-Fahrt planen: mit der Bahn nach Gutenstein, dann hinunter nach Sollenau.
  • Bus 339 für die Bergetappe (Rohr im Gebirge)Rohr im Gebirge hat keinen Bahnanschluss. Die Buslinie 339 (Pernitz - Schwarzau im Gebirge - Rohr im Gebirge) verbindet den oberen Talschluss mit dem Bahnknoten Pernitz-Muggendorf. So lässt sich die sportliche Auftaktetappe per Bus erschließen oder die Anreise zum höchsten Punkt organisieren.
  • ÖBB S-Bahn Sollenau (Pottendorfer Linie) + EuroVelo 9Am unteren Ende liegt Sollenau an der Pottendorfer Linie; S-Bahn- und Regionalzüge bringen Rad und Fahrgast in rund einer Dreiviertelstunde zurück nach Wien. In Sollenau trifft die Route zudem auf den EuroVelo 9, der entlang des Wiener Neustädter Kanals weiterführt - ein bequemer Anschluss Richtung Wiener Neustadt oder weiter.
  • Einrichtungsfahrt bergabDie natürliche Logistik: mit der Gutensteinerbahn (oder Bus 339 bis Rohr im Gebirge) hinauf an den Talschluss, dann überwiegend bergab bis Sollenau radeln und mit der S-Bahn zurück. Beide Talenden sind öffentlich erreichbar.

Der Piestingtal-Radweg lässt sich ideal als Einrichtungsfahrt bergab planen: Die Gutensteinerbahn (Fahrradmitnahme nach ÖBB-Bedingungen) bringt Sie von Wiener Neustadt hinauf nach Gutenstein, von wo es flach und überwiegend bergab nach Sollenau rollt. Die sportliche obere Etappe nach Rohr im Gebirge erschließt die Buslinie 339 ab Pernitz. Zurück geht es ab Sollenau mit der S-Bahn der Pottendorfer Linie; dort schließt auch der EuroVelo 9 an.

07 - GPX- & TCX-Download

Download für GPS-Geräte & Apps

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GPXTCX
GPX herunterladenTCX-Kurs4 Etappen · 53 km
Etappen einzeln herunterladen (4)
  1. Etappe 1Rohr im Gebirge → Gutenstein16 km
  2. Etappe 2Gutenstein → Pernitz7 km
  3. Etappe 3Pernitz → Markt Piesting14 km
  4. Etappe 4Markt Piesting → Sollenau17 km

Streckenführung aus OpenStreetMap-Geometrie abgeleitet - kann von der Beschilderung leicht abweichen. © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL 1.0) · Höhendaten © DGM Österreich (CC BY 3.0 AT). Weitergabe mit Quellenangabe.

08 - Verwandte Routen