01 - Überblick
Der Hintergebirgsweg (R9) folgt der ehemaligen Waldbahn Reichraming auf rund 36 Kilometern durch das straßenlose Reichraminger Hintergebirge im Nationalpark Kalkalpen - mit elf befahrbaren Tunneln, einer Karstschlucht und der einzigen Jausenstation weit und breit. Wer den vollen Weg von Reichraming über die Mooshöhe (~849 m) nach Unterlaussa fährt, braucht ein Gravel- oder Mountainbike, Licht für die Tunnel, Proviant für den Tag und einen Sinn für echte Wildnis.
Die ehemalige Schmalspurbahn Waldbahn Reichraming erschloss bis zu ihrer Stilllegung 1971 das Reichraminger Hintergebirge für den Holztransport; heute bildet ihr Bahndamm den Radweg, der tief in den Nationalpark Kalkalpen führt. Der Weg beginnt in Reichraming im Ennstal, am Nationalpark-Besucherzentrum direkt am Ennsradweg R7, und folgt dem Großen Bach aufwärts: sanftes Gravelgelände auf dem alten Streckenbett, die ersten Tunnels schon nach wenigen Kilometern. Bei der Großen Klause, einem historischen Holztrift-Staudamm, endet der familientaugliche Abschnitt; dahinter liegt die Klaushütte (Holzknechthütte von 1758, Mai bis Oktober Mittwoch bis Sonntag geöffnet), die einzige Einkehr der gesamten Strecke. Ab der Klaushütte wird das Gelände wilder: die Große Schlucht zwängt sich durch ein Karsttor, der Schleierfall rauscht von den Felswänden, und ein Tunnel folgt auf den nächsten. Im Innersten des Hintergebirges liegt Weißwasser, eine verlassene Bauxitbergbausiedlung, die bis 1964 in Betrieb war - heute nur noch Ruinen im Wald. Die Schlussphase führt mit dem steilsten Anstieg der Tour über die Mooshöhe (~849 m), den höchsten Punkt des Weges, und hinunter ins Laussatal nach Unterlaussa, wo der R9 auf den Nationalpark-Kalkalpen-Radweg R31 und den Ennsradweg R7 trifft. Offiziell liegt die Streckenlänge je nach Abschnittsdefinition zwischen rund 29 und 49 Kilometern; unsere gemessene Hauptlinie kommt auf 36 km. Kein Handyempfang im Karstkern, kein Gasthaus nach der Klaushütte, zwei Biwakplätze (Weißwasser, Steyrsteg). Der Nationalpark-Shuttle mit Fahrradanhänger macht die klassische One-Way-Variante möglich: hinauf fahren, durch Tunnel und Schlucht bergab zurück nach Reichraming.
- Regionen
- Oberösterreich
- Start
- Reichraming
- Ziel
- Unterlaussa
- Oberfläche
- Asphalt · Schotter
- Netz
- Regional
- Beste Reisezeit
- Mai - Oktober
- Beschilderung
- durchgehend beschildert
- Rennradtauglich
- Teilweise · Gemischter Belaggut belegt
68 % gut fahrbar, aber 3,3 km Schotter am Stück - angenehmer mit Gravel- oder Tourenrad.
02 - Etappen
3 Etappen · 36 km
01Reichraming - KlaushütteReichraming · Große Klause · Klaushütte12 km
Start beim Nationalpark-Besucherzentrum Ennstal in Reichraming, direkt am Ennsradweg R7. Der Weg folgt dem Großen Bach auf dem ehemaligen Streckenbett der Waldbahn taleinwärts ins Hintergebirge: breiter, gleichmäßiger Weg auf dem alten Bahndamm, moderate Steigung, die ersten Tunnels schon früh auf der Strecke. Gegen Ende dieses Abschnitts taucht die Große Klause auf, ein mächtiger historischer Holztrift-Staudamm - die letzte Holztrift fand hier 1937 statt. Dieser untere Abschnitt bis zur Klaushütte ist der einzige, der sich als Familienausflug oder als gemütliches Out-and-back eignet. Die Klaushütte (Holzknechthütte, belegt seit 1758) am Streckenende ist die einzige Einkehrmöglichkeit der gesamten Tour - geöffnet Mai bis Oktober, Mittwoch bis Sonntag.
- Aufstieg
- 248 m
- Abstieg
- 60 m
- Dauer
- ca. 1,5 Std.
- Oberfläche
- Gravelweg auf altem Bahndamm, Asphalt im Ortsbereich Reichraming
Belag (gemessen): Asphalt
02Klaushütte - WeißwasserKlaushütte · Große Schlucht · Schleierfall · Weißwasser12 km
Hinter der Klaushütte beginnt der wildeste Teil des Hintergebirgswegs. Der Weg drängt sich durch die Große Schlucht, eine enge Karstklamm, in der der Schleierfall von den Felswänden stürzt. Hier liegt die Mehrzahl der elf befahrbaren Tunnels (Licht ist Pflicht, der längste misst rund 339 Meter). Kein Gasthaus, keine Trinkwasserquelle, kein Handyempfang - wer hierher kommt, sollte selbst versorgt sein. Am Ende des Abschnitts erreicht man Weißwasser, eine ehemalige Bergbausiedlung mitten im Wald: Bauxit wurde hier bis 1964 abgebaut; zurückgeblieben sind nur Ruinen. Zwei Biwakplätze (Weißwasser und Steyrsteg) bieten notdürftig Unterstand.
- Aufstieg
- 518 m
- Abstieg
- 66 m
- Dauer
- ca. 2 Std.
- Oberfläche
- Gravel- und Naturweg, ehemalige Forstbahntrasse; teils eng und rau in der Schlucht
Belag (gemessen): Schotter 84 % · Feinschotter 16 %
03Weißwasser - UnterlaussaWeißwasser · Mooshöhe · Unterlaussa12 km
Die letzte Etappe ist die technisch anspruchsvollste. Vom Weißwasser steigt der Weg in einer kurzen, steilen Rampe auf die Mooshöhe (~849 m), den höchsten Punkt und einzigen deutlichen Sattel der Route; das meiste Bergauf liegt allerdings schon im Schluchtabschnitt davor. Oben eröffnet sich ein weiter Blick über das Reichraminger Hintergebirge, dann beginnt die lange Abfahrt ins Laussatal nach Unterlaussa. Dort trifft der Hintergebirgsweg auf den Nationalpark-Kalkalpen-Radweg R31 und hat Anschluss an den Ennsradweg R7 - die naheliegende Verbindung, um eine Rundtour mit Zug und Bus zu kombinieren.
- Aufstieg
- 164 m
- Abstieg
- 758 m
- Dauer
- ca. 1,75 Std.
- Oberfläche
- Gravel- und Naturweg; kurzer steiler Anstieg zur Mooshöhe, dann lange Abfahrt
Belag (gemessen): Asphalt
03 - Höhenprofil
Höhenprofil über die Gesamtdistanz - Cursor bewegen, um Höhe und Kilometer abzulesen.
Höhenprofil über 36 km. Aufstieg 930 m, Abstieg 884 m. Tiefster Punkt 356 m, höchster Punkt 780 m.
Höhendaten aus OSM-Geometrie + Digitalem Geländemodell (DGM) Österreich (10 m).
Profil überfahren zeigt den Punkt auf der Karte - und umgekehrt.
04 - POIs & Services
- Nationalpark Kalkalpen (gegr. 1997, größtes Waldwildnisgebiet Österreichs, UNESCO-Buchenwald-Welterbe)
- Reichraminger Hintergebirge (straßenlose Karstwildnis mit 180 km naturnahen Bächen)
- Waldbahn Reichraming (ehemalige 760-mm-Schmalspurbahn, stillgelegt 1971, Trasse = der Radweg)
- Große Klause (historischer Holztrift-Staudamm, letzte Holztrift 1937)
- Klaushütte (Holzknechthütte, belegt seit 1758, einzige Einkehr der Strecke)
- Große Schlucht, Schleierfall und die 11 befahrbaren Tunnels (längster ~339 m)
- Weißwasser (ehemalige Bauxitbergbausiedlung, in Betrieb bis 1964, heute Ruinen)
- Nationalpark-Besucherzentrum Ennstal (Eingang Nationalpark Kalkalpen, am Ennsradweg R7)
Services entlang der Route
- Radservice / E-BikeFahrradgeschäfte und E-Bike-Verleih in Reichraming und Großraming im Ennstal, direkt am Ennsradweg. Im gesamten Hintergebirge gibt es keine Versorgungspunkte.
- EinkehrEinzig die Klaushütte (ca. km 12, Mai bis Oktober Mittwoch bis Sonntag) bietet Verpflegung. Danach bis Unterlaussa kein einziges Gasthaus. Ausreichend Proviant von Reichraming mitnehmen.
- TrinkwasserVor der Tour in Reichraming auffüllen. Im Hintergebirge kein gesicherter Trinkwasserzugang außer dem Butterbrunnen (ca. km 28 laut Geodaten). Wasser für die gesamte Distanz mitführen.
- AusrüstungLicht für die Tunnels (Pflicht!), Gravel- oder Mountainbike empfohlen, Ersatzschlauch und Werkzeug. Kein Handyempfang im Karstkern. Zwei Biwakplätze (Weißwasser, Steyrsteg) als Notunterkunft.
Versorgung entlang der Strecke
- Trinkwasser4
- Reparaturstation2
- Radverleih1
- Ladestation2
Versorgungspunkte aus OpenStreetMap. Stand kann abweichen, Brunnen sind teils saisonal - vor der Tour prüfen.
05 - Eindrücke
Das Reichramingbach-Tal im Nationalpark Kalkalpen, das nördliche Eingangstor zum Hintergebirge.Foto: Reichramingbach-Tal · Leonhard Lenz · CC0 1.0 Eine Karstklamm am Reichramingbach im Reichraminger Hintergebirge, nahe der Großen Klause.Foto: Karstklamm nahe der Großen Klause · Haneburger · Public Domain Ehemaliger Waldbahn-Tunnel auf der Trasse des Hintergebirgswegs - einer von elf befahrbaren Tunneln.Foto: Waldbahn-Tunnel auf der Trasse · Tigerente · CC BY 4.0 Die ehemalige Waldbahntrasse, heute der Schotter-Radweg durch das Reichraminger Hintergebirge.Foto: Ehemalige Waldbahntrasse · Haneburger · Public Domain
06 - ÖV-Anbindung
- ÖBB Rudolfsbahn (St. Valentin - Kleinreifling)Die Rudolfsbahn bedient die Haltestellen Reichraming und Großraming im Ennstal mit Personenzügen (Fahrradmitnahme reservierungspflichtig). Reichraming liegt direkt am Ennsradweg R7 und ist der bequemste Ausgangspunkt für den Hintergebirgsweg.
- Nationalpark Wander-Shuttle mit Fahrradanhänger (Saison)Der Nationalpark-Kalkalpen-Shuttle verkehrt saisonal und nimmt Fahrräder auf einem Anhänger mit. Das ermöglicht die klassische One-Way-Variante: mit dem Bus hinein ins Hintergebirge, dann die ~30 km bergab durch Tunnels und Schlucht zurück nach Reichraming. Aktuelle Abfahrtszeiten und Buchung über kalkalpen.at prüfen.
- Anschlüsse am Südende (Unterlaussa)In Unterlaussa trifft der R9 auf den Nationalpark-Kalkalpen-Radweg R31 und den Ennsradweg R7. Busverbindungen ins Ennstal (Molln, Großraming) ermöglichen eine Rundkehr; Verbindungen vorab auf oebb.at prüfen.
Die Nationalpark-Radsaison läuft vom 15. April bis 31. Oktober; das Befahren ist nur bei Tageslicht erlaubt (frühestens 2 Stunden nach Sonnenaufgang, spätestens 1 Stunde vor Sonnenuntergang). Auf einzelnen Abschnitten ist werktags Forst-Holztransport möglich - vorab bei den Österreichischen Bundesforsten oder auf kalkalpen.at prüfen.
07 - GPX- & TCX-Download
Download für GPS-Geräte & Apps
Sauberer Track mit Höhenprofil - importiert als eine Tour, kompatibel mit Komoot, Garmin, Wahoo, Strava, RideWithGPS, OsmAnd.
Etappen einzeln herunterladen (3)
Streckenführung aus OpenStreetMap-Geometrie abgeleitet - kann von der Beschilderung leicht abweichen. © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL 1.0) · Höhendaten © DGM Österreich (CC BY 3.0 AT). Weitergabe mit Quellenangabe.